Recycelter Gummi | PAK Wert
Ratgeber

Weichmacher im Gummi? Der PAK-Wert von Gummiprodukten

Seit einigen Jahren sind Gummiprodukte in den Verruf geraten, weil die Öffentlichkeit auf darin enthaltene Weichmacher aufmerksam gemacht wurde. Was es mit den Weichmachern auf sich hat, warum sie so schädlich sind und wie unsere Gummiböden in dem Zusammenhang einzuordnen sind, erfährst du in diesem Artikel.

Was sind Weichmacher?

Bei der Herstellung von Gummi wird die Kautschukmischung oftmals mit billigen Füllstoffen wie Kreide gestreckt, um die Herstellungskosten zu senken. Erst durch die Zugabe von Weichmachern wird diese Mischung dann wieder zu einem geschmeidigen, dehnbaren und formbaren Produkt – so wie man Gummi kennt. Das ist vergleichbar mit Öl auf einer Portion Spaghetti, das die Nudeln besser aneinander gleiten lässt.

Auch bei im Normalzustand harten und unverformbaren Kunststoffen (z.B. PVC) kann die Zugabe von Weichmachern zu einem dehnbaren und elastischem Endprodukt führen.

Was ist der PAK-Wert?

Die Abkürzung PAK steht für Polyzyklisch aromatische Kohlenwasserstoffe und diese Stoffgruppe gilt als krebserregend. Viele Weichmacher haben einen hohen PAK-Wert, da sie PAK-Bestandteile enthalten.

Als Weichmacher für Kautschukmischungen werden meist Mineralöle verwendet. Hier ist entscheidend, welche Mineralöle verwendet werden. Es gibt teure und unbedenkliche Öle, aber auch kostengünstige, die einen hohen PAK-Wert besitzen (z.B. Teeröle). Gummiprodukte aus dem unteren Preissegment sind häufig davon betroffen, da besonders hier bei der Herstellung gespart wird.

Wie wirkt sich ein hoher PAK-Wert auf die Gesundheit aus?

Das Problem bei dieser Stoffgruppe ist, dass sie sich nach und nach aus dem Produkt herauslösen. Über die Haut werden diese in den menschlichen Körper aufgenommen. Es werden umso mehr giftige Chemikalien aufgenommen, je häufiger oder länger man das Gummiprodukt in der Hand hält oder anderweitig berührt. Deshalb sollte besonders bei Produkten, die viel mit der Haut in Berührung kommen, auf einen niedrigen PAK-Wert geachtet werden.

Schweiß fördert die Aufnahme der PAK in die Haut. Beim Sport treiben ist also nochmal besondere Vorsicht bei günstigen Schnäppchen geboten! Auch der Boden wird nicht selten mit der Haut berührt. Bei Liegestützen oder liegenden Dehnübungen beispielsweise kommt Hautkontakt mit dem Boden zustande.

Doch wie genau reagieren diese Partikel im Körper? Die PAKs reichern sich im Körper an und können dort auf lange Sicht viel Schaden anrichten. Sie gelten als krebserregend, erbgutverändernd und beeinflussen das Hormonsystem.

Was sagt die Gesetzeslage?

Lange gab es lediglich einen unverbindlichen Orientierungswert vom Bundesinstitut für Risikobewertung. Dieser war in etwa so bindend wie die Richtgeschwindigkeit auf deutschen Autobahnen.

Testergebnisse zeigten leider, dass dieser empfohlene Richtwert in Gummiprodukten teilweise um mehr als das Hundertfache überschritten wird. Dabei wurden Artikel aus dem Baumarkt sowie aus Billigläden untersucht, darunter alltägliche Gummierzeugnisse wie Badelatschen oder Werkzeuge mit gummierten Griffen.

Erst 2013 legte die EU erstmalig Grenzwerte fest, die ab dem 27.12.2015 in Kraft getreten sind (zum Nachlesen: Anhang XVII der REACH-Verordnung Nr. 1907/2006). Demnach sind Gummierzeugnisse, die den Grenzwert überschreiten, nicht zum Verkauf zugelassen. Für den Verkauf zugelassene Produkte dürfen nicht mehr als 1,0 mg/kg eines von 8 PAKs enthalten. Dies gilt für Gummiprodukte, die bei normaler Verwendung unmittelbaren Hautkontakt haben (über einen längeren Zeitraum oder wiederholt kurze Zeit).

Bei Spielzeugen oder anderen Artikeln für Kinder gilt sogar ein Grenzwert von 0,5 mg/kg.

Woran erkennt man einen hohen PAK-Wert?

Ein gutes Indiz für den Einsatz von Weichmachern ist der Geruch. Wahrscheinlich hat jeder einmal irgendwann einen beißenden Gummigeruch wahrgenommen. Das liegt daran, dass die Weichmacher sich mit der Zeit aus dem Produkt herauslösen und das kann man auch riechen. Wer also einen solch starken Geruch bemerkt, sollte lieber die Finger davon lassen.

Natürlich hat ein neu gefertiges Gummiprodukt anfangs einen materialbedingten Geruch – auch Produkte ohne Weichmacher. Das ist vergleichbar mit einem neuen Auto. Der Geruch sollte aber nicht scharf und stechend sein und in absehbarer Zeit verschwinden.

Eindeutig ist das leider trotzdem nicht. Auch Gummimischungen, die nicht stinken, können zu viele Weichmacher enthalten. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollte man auf Siegel oder Zertifikate achten.


Bildnachweis: thinkstock / @SVproduction